Testosteron bedarf einer differenzierteren Betrachtung

Das traditionelle Image von Testosteron ist nicht besonders gut: erhöhte Spiegel gingen in vielen Studien mit ausgeprägter Aggressivität, unsozialem Verhalten, Vertrauensverlust und Dominanz gegenüber anderen einher.

Aktuelle Studien zeigen allerdings ein differenzierteres Bild der Wirkung von Testosteron. So scheint das Ziel des Verhaltens bei erhöhten Hormonspiegeln das Erreichen und Aufrechterhalten eines hohen sozialen Status zu sein. Dieser Status kann durch Aggression erreicht werden aber besonders die Beibehaltung bedarf pro-sozialem Verhaltens. Das Experiment zeigt, dass die Gabe von Testosteron Aggression und unsoziales Verhalten hervorruft, wenn soziale Herausforderungen und Bedrohungen vorhanden sind. Ohne diese ruft der erhöhte Hormonspiegel sogar pro-soziales – ja altruistisches – Verhalten hervor. So war die Reziprozität, also altruistisches Verhalten als Erwiderung auf erhaltenes Vertrauen unter Testosteron Gabe höher als ohne diese. Erhaltenes Vertrauen wurde dementsprechend großzügiger zurückgegeben, wenn der Testosteron-Spiegel hoch war.

Das bedeutet die Wirkung von Testosteron auf das Sozialverhalten hängt von der An- bzw. Abwesenheit von Herausforderung oder Gefährdung ab.

Diese Erkenntnisse lassen das Hormon Testosteron unter einem deutlich anderen Licht als bisher erscheinen. Der Zusammenhang mit der Suche nach sozialem Status und die Abhängigkeit der Wirkung von Umgebungsfaktoren geben für die Neuroökonomie interessante Erkenntnisse.

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